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Kleiner Waffenschein – das Problem mit der Statistik

Die Bundesregierung hat wieder einmal die Statistik zum Kleinen Waffenschein veröffentlicht. Demnach gibt es Stand 31.12.2020 nun 705.506 ausgestellte Kleine Waffenscheine in Deutschland – 40.800 bzw. 6,14 % mehr als im Vorjahr.

Was ist der Kleiner Waffenschein?

Der Inhaber eines Kleinen Waffenscheins ist berechtigt, eine Schreckschuss- bzw. Gas-Signal-Waffe mit amtlichen PTB-Zeichen öffentlich zu führen.
Führen bezeichnet waffenrechtlich das griffbereite Tragen außerhalb der eigenen Wohnung, Geschäftsräume des eigenen befriedeten Besitztums oder einer Schießstätte.

Der Kleine Waffenschein wurde 2003 eingeführt und kann von jedem, der das 18. Lebensjahr vollendet hat, beantragt werden. Die Beantragung ist dabei lediglich eine Formalie. Anders als bei der Waffenbesitzkarte (Besitzerlaubnis für „scharfe“ Waffen) muss keine Fachkunde in Form von Schulungsnachweisen oder Schießtrainings und kein langfristiges Bedürfnis nachgewiesen werden.
Einzige Voraussetzungen sind ein sauberes Führungszeugnis und eine persönliche Eignung in Form von körperlicher und geistiger Eignung.

Die Beantragung erfolgt bei der örtlichen Waffenbehörde. Die Ausstellung des Kleinen Waffenscheins ist unbefristet!

Die Statistik um den Kleinen Waffenschein – (k)ein Grund zur Beunruhigung!

Entwicklung der Anzahl Kleiner Waffenscheine von 2014 bis 2020

Die Bundesrepublik Deutschland veröffentlicht jährlich die Statistik um den Kleinen Waffenschein. Seit Jahren verzeichnet diese einen Anstieg der Kleinen Waffenscheine – innerhalb der vergangenen sechs Jahre hat sich die Anzahl mehr als verdoppelt. (siehe Abbildung)

Behörden und Medien schlagen Alarm und kritisieren anhand der Zahlen eine (scheinbar) stetige Bewaffnung der Bevölkerung.

Befasst man sich jedoch einmal genauer mit den Einzelheiten des Kleinen Waffenscheins lässt sich feststellen, dass eine Kritik nur bedingt angebracht ist.

Um den Kleinen Waffenschein ranken sich viele Mythen

Der Kleine Waffenschein ist ein Erlaubnisschein, eine Schreckschusswaffe mit amtlichen PTB-Zeichen auf der Straße zu führen.
Das tägliche Geschäft zeigt aber deutlich, wie groß die Unwissenheit um den Kleinen Waffenschein in Deutschland ist. Gefühlt jeder dritte Kunden erwähnt die Notwendigkeit des Kleinen Waffenschein im Zusammenhang mit dem Kauf eines Luftgewehrs und andere legen diesen beim Kauf eines Luftgewehres sogar unaufgefordert vor. In den seltensten Fälle wird der Kleine Waffenschein vom Kunden mit Schreckschusswaffen in Zusammenhang gebracht.

Auf Grund dieser Tatsache muss kritisch die Frage gestellt werden, wie viele der Neuanträge mit der Absicht gestellt werden, tatsächlich eine Schreckschusspistole öffentlich zu führen und wie viele Anträge davon unter falschem Vorwand gestellt werden?

Um ein genaues Abbild über die Realität zu schaffen, müssten diese Falschbeantragungen in der Statistik berücksichtigt werden, welche dadurch wesentlich freundlicher aussähe!

Der Kleine Waffenschein kann von fast jedem ohne vorherigen Aufwand und ohne „Konsequenzen“ im Nachhinein beantragt werden

Die Beantragung des Kleinen Waffenscheins ist sehr unkompliziert und ohne großen Aufwand möglich. Mit einer Ablehnungsquote von ca. 0,5 % wie es beispielsweise 2016 in Rheinland-Pfalz der Fall war, kann durchaus behauptet werden, dass jeder Antrag bewilligt wird.

Verglichen mit der Waffenbesitzkarte, bei der man Fachkunde (Waffenschulungen und Schießtraining) und ein Bedürfnis (Mitgliedschaft in einem Schützenverein und regelmäßiges Erbringen von Schießleistungen im Nachhinein) nachweisen muss, besitzt der Kleine Waffenschein keinerlei bis kaum Anforderungen.
Folglich wird die Hemmschwelle, einen Kleinen Waffenschein zu beantragen, wesentlich niedriger sein als bei vergleichbaren Anträgen mit hohen Anforderungen – man selbst hat schließlich keine persönlichen „Konsequenzen“ vorher (keine Schulungen etc.) und nachher (vgl. regelmäßige Schießleistungen bei der Waffenbesitzkarte).

Auf Grund dessen muss unterschieden und geklärt werden, wie viele Personen einen Kleinen Waffenschein mit der tatsächlichen und langfristigen Absicht beantragt haben, eine Schreckschusswaffen öffentlich zu führen, für wie viele Antragsteller die Beantragung des Scheines lediglich ein „temporäres Hirngespinst“ ist und ihr Kleiner Waffenschein nach eins, zwei oder drei Jahren im Schrank verstaubt und wie viele Antragsteller den Antrag stellen, um „EVENTUELL“ später auf diesen zurückgreifen zu können.

Gerade langzeitlich muss davon ausgegangen werden, dass ausgestellte Kleine Waffenscheine an Bedeutung verlieren und auf Dauer keine Verwendungen mehr finden.
Bedingt durch die hohen Asylzahlen und die Übergriffe in der Silvesternacht 2015/16 in Köln kam es zu Ansturm auf Selbstschutzprodukte. So schossen im selben Zeitraum auch die Neubeantragungen des Kleinen Waffenscheine auf einen absoluten Höchststand, wie die obenstehende Abbildung belegt.
Mittlerweile ist die allgemeine Verunsicherung der Bevölkerung jedoch merklich fast wieder verflogen. Wie viele der damals auf Grund der „Asyl“-Verunsicherung ausgestellten Kleinen Waffenscheinen werden heute noch aktiv genutzt und wie viele liegen nur noch herum oder sind sogar entsorgt?

Müsste der Kleine Waffenschein alle paar Jahre erneuert werden, fielen ausgestellte, aber nicht mehr benötigte Scheine auf kurz oder lang automatisch aus der Statistik, aber …

… der Kleine Waffenschein wird unbefristet ausgestellt.

Einmal ausgestellt ist ein Kleiner Waffenschein von unbegrenzter Dauer gültig und muss nicht erneuert werden.

Wenn der Kleine Waffenschein aber nicht erneuert werden muss, woher will man wissen, wie viele Kleine Waffenscheine tatsächlich noch gebraucht werden und wie viele ohne Nutzen im Schrank herum verstauben oder bereits auf Grund von Nichtgebrauchen entsorgt wurden?

Eine Waffenbesitzkarte erlaubt den Besitz von „scharfen“ Waffen. Diese ist unbegrenzt gültig, sofern ein Sportschütze regelmäßige Schießleistungen erbringt und diese nachweisen kann. Dadurch hat der Staat den Nachweis, dass die Waffenbesitzkarte aktiv genutzt wird – bei Nichtnutzen verfällt sie und wird aus den Statistiken gestrichen.
Sofern ein Kleiner Waffenschein von behördlicher Seite nicht widerrufen wird, fällt ein Kleiner Waffenschein bei Nichtbenutzung dagegen jedoch niemals aus der Statistik.